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Aktuelles: Flora Helvetica

Flora Helvetica und Bestimmungsschlüssel zur Flora Helvetica
von Konrad Lauber und Gerhart Wagner

Kürzlich schenkte Herr Hermann Klöti der Biblioteca Trun ein überaus wertvolles Werk: Die vierte Ausgabe der "Flora Helvetica" sowie den Bestimmungsschlüssel zur Flora Helvetica. Es ist dies das Standartwerk zur Flora der Schweiz. Die Farbaufnahmen sind ausserordentlich schön und das Verzeichnis der Planzennamen in romanischer Sprache ist eine grosse Bereicherung. Wir möchten uns ganz herzlich für diese grosszügige Schenkung bedanken und veröffentlichen gerne einen Auszug folgenden Briefes auf unsere Homepage.

Betrifft: Botanik in der BIBLIOTECA TRUN

Liebe Bibliothekarinnen,
seit der ersten Auflage 1996 ist die FLORA HELVETICA (Konrad Lauber/Gerhart Wagner) nicht nur meine Begleiterin, sondern auch unverzichtbares Standardwerk all jener, die sich für die Schweizer Pflanzenwelt interessieren.

Mitte Juni 2007 ist nun die „FH“ in einer vierten, umfassend überarbeiteten Auflage herausgekommen. Neu sind nicht nur eine ganze Reihe von Änderungen und Ergänzungen im dargestellten Pflanzenspektrum – neu ist auch, dass der textverantwortliche Dr. Gerhart Wagner ein Verzeichnis der romanischen Pflanzennamen in sein Werk aufgenommen haben wollte und dies, mit Hilfe des Unterengadiner Botanikers Romedi Reinalter und der LR, auch verwirklichen konnte. Romontsch Grischun ist verständlicherweise die Sprachvariante der Wahl. Die romanische Benennung der Pflanze kann sich natürlich nur auf jene Arten erstrecken, die im romanischen Sprachbereich, also im Kanton Graubünden und angrenzenden Gebieten, auch vorkommen – oder die derart weitverbreitet und (als Gartenschmuck, Gemüse etc.) kommun sind, dass sie im Laufe der letzten Jahrhunderte romanische Namen erhalten haben: Die Kartoffel als prominentes Beispiel!

In neuerer Zeit – vor allem seit den 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – sind bei uns zahlreiche Pflanzenarten verschwunden oder sehr selten geworden. Der Ausdünnungsprozess ist nicht abgeschlossen, und es gibt dafür mehrere Gründe. Der weitaus wichtigste davon ist unbestrittenermassen die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung:

1) Meliorationen – Verlust von Feuchtgebieten durch Entwässerung, Verlust von Mager-wiesen durch Düngung – die in eine grossräumige Trivialisierung der Flora führen; NB: „melior“, lat. für „meglier“, geht es der Natur nach einer Melioration gewiss nicht!

2) Zunahme des Schafbestandes bei gleichzeitig (seit dem 2. Weltkrieg) massiv angewachsenem Schalenwildbestand, was in hochgelegenen Weidegebieten nicht nur zu übermässigem Äsungsdruck, sondern auch zu Trittschäden, Bodenverdichtung und Erosion führt;

3) Das teils durch die Globalisierung bedingte Einschleppen von neuen Arten (Neophyten), die sich explosiv ausbreiten und einheimische Arten verdrängen. Zwar ist dieser Prozess nichts ausserordentliches – 99% unserer Hochalpenflora waren während der Eiszeiten „abwesend“, d.h. sie sind erst in den letzten 10´000 Jahren (wieder) eingewandert. Ausserordentlich ist jedoch der sehr kurze Zeitraum, in dem die einheimische Pflanzenwelt mit neuen Konkurrenten aus aller Welt konfrontiert wird.

Auch die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche kann lokal eine Rolle spielen, bewirkt aber (Gärten! Magere Strassenböschungen!) gelegentlich sogar eine gegenüber der Umgebung erhöhte Artenvielfalt.
Hoher botanischer Artenreichtum findet sich in der Surselva nur dort, wo kalk- oder dolomithaltiges Grundgestein zu finden ist – Trun ist mit solchen geologischen Formationen nicht eben gesegnet. Raritäten kann man, wenn man denn zur rechten Zeit, im richtigen Gebiet und mit viel Ausdauer zu suchen gewillt ist, trotzdem finden. Beispiele:

FH Nr. 1508, die „Urnatta tschairada“, sie soll in wenigen Exemplaren unter der Alp Rubi (Val Frisal) vorkommen; und was mich (obwohl diesbezüglich bisher nie fündig geworden) am meisten freuen sollte:

FH 2945, „fior di legna; limodor“; die nicht jedes Jahr blühende Orchidee ist vor längerer Zeit einmal im Föhrenwald oberhalb Campliun festgestellt worden.

Für all jene, die sich der Botanik zuerst einmal über Computer und Internet annähern möchten:

1) Verbreitungskarten, Beschreibung besonders gefährdeter Arten und vieles mehr ist zu finden im Internet, unter swiss web flora

2) Zur Flora Helvetica, 3. Auflage, existiert eine Variante auf CD. Gemäss Verlags-auskunft ist in nächster Zeit leider nicht mit einer digitalen Variante zur neuesten Auflage zu rechnen.

Es freut mich, Ihnen hiermit ein Exemplar der „romanisch angereicherten“ Flora Helvetica als Geschenk überreichen zu können. Nicht zuletzt verbinde ich damit die Hoffnung, dass das Buch von der Lehrerschaft konsultiert und als Grundlage für den Unterricht – wie immer das Schulfach denn heissen mag – genutzt wird. Und dass auf diese Weise die Basis geschaffen wird nicht nur für ein besseres Verständnis unserer Umgebung, sondern auch dafür, dass wir alle für das Erhalten ihres naturnahen Zustandes verantwortlich sind.

Textbeitrag aus einem Brief von Hermann Klöti, Trun
an die Bibliothekarinnen, September 2007