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Portrait

In regelmässigen Abständen stellen wir unter dieser Rubrik einen einheimischen Künstler oder Schriftsteller vor, der in irgendeiner Weise mit der Bibliothek in Verbindung steht.

Als Ersten möchten wir den bekannten Kunstmaler Aluis Carigiet aus Trun porträtieren. Seine schönen Bilderbücher für Kinder sind in viele Sprachen übersetzt worden und erreichten Weltruhm.

Aluis Carigiet, Kunstmaler 1902-1985

Aluis Carigiet wurde am 30. August 1902 in Trun geboren. 1911 zog die Familie nach Chur, wo Alius, das siebente von elf Kindern, nach dem Schulbesuch eine Lehre als Dekorationsmaler absolvierte. 1927 gründeter ein eigenes grafisches Atelier.

 

Die künstlerische Laufbahn Aluis Carigiets kann in zwei Abschnitte gegliedert werden: Das grafisch-gestalterische Schaffen von 1923 bis 1939 und die Zeit danach, als er sich im bündnerischen Obersaxen zum Maler wandelte

Die ersten umfassenden Einzelausstellungen fanden 1948 in Solothurn und anschliessend in Genf statt. In den folgenden Jahren schuf er neben Gemälden, Zeichnungen und Lithografien auch zahlreiche Wandbilder, so zum Beispiel jenes Im Sitzungssaals des Bündner Grossen Rates in Chur, der "Zusammenschluss der drei Bünde".

 

 

 

 

 

 

1945 entstand sein erstes, weltberühmtes Kinderbuch "Schellenursli", weitere folgten

Alois Carigiet und das Kinderbuch

"Offen gestanden habe ich früher niemals daran gedacht, Kinderbuchblätter zu malen, geschweige denn selbst Bücher zu schreiben.

Dem jahrelangen Drängen einer Freundin ist es zu verdanken, dass ich mit Selina Chönz, der Bündner Schriftstellerin, bekannt wurde. Diese bat mich, ihren Text vom "Schellen-Ursli", die Geschichte eines Bergbuben, zu bebildern.

Mir jedoch erschien dies zwar geradezu wie ein Scherz, doch schliesslich überflog ich den Text. Er war im Romanisch des Unterengadin geschrieben.

War es die Sprache oder waren es die Erlebnisse dieses Schellen-Ursli, die, meinen eigenen verwandt, mich für die Aufgabe zu gewinnen und zu begeistern vermochten?

Mir schien, die Bilder dazu hatte ich gleichsam in der Tasche. In einem Bauernhaus geboren, war ich mit dem Leben eines Bergbuben, seinen kleinen Verrichtungen in Haus und Stall und auf dem Maiensäss eng vertraut.

Dennoch zog sich meine Arbeit an meinem ersten Kinderbuch über ganze sechs Jahre hin. Immer glaubte ich, Wichtigeres tun zu müssen. Als schliesslich die Arbeit beendet war, fand sich niemand, der das Buch drucken wollte.

Meinen guten Beziehungen zum Verlag des damaligen "Schweizer-Spiegel" war es zu verdanken, dass dieser sich des Buches annahm und es herausgab.

Es wurde ein grosser Erfolg und wurde mehrfach preisgekrönt."

Flurina 1952

Maurus und Madleina 1969

Maurus e Madleina

Zottel, Zick und Zwerg 1965
Zocla, Zila, Zepla

In den Jahren 1960 bis 1975 folgten verschiedene Ausstellungen im In- und Ausland, so z.B. im Bündner Kunsthaus 1962 und 1973, sowie 1967 die Retrospektive im Museum Allerheiligen in Schaffhausen. Zu seinem 75. Geburtstag erschien 1977 der erste Band seiner Monographie und gleichzeitig fand im Seedamm Kulturzentrum Pfäffikon eine umfassende Ausstellung seiner Werke stat.

Die Themen seiner Arbeiten bezog Carigiet häufig aus seinem ländlichen Umfeld, aus der Natur und der Tierwelt. Seinem Kunstverständnis gab er folgendermassen Ausdruck: "Für das nackte Leben notwendig erachte ich die Kunst sicher nicht. Doch gelingt es mir auch nicht, eine Menschheit zu verstehen, die mit dem nackten Leben alleine zufrieden wäre."

1960 zog es ihn wieder in seine bündnerische Heimat zurück; er zog nach "Flutginas" in Trun, wo seine Mutter einst gelebt hatte. Auch nach seinem Tod am 1. August 1985 sind seine Bilder überaus beliebt.